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Rückblick: So war’s:
Der Weg zum Afu: Die Zeit davor

Eine persönlich gefärbte Funkgeschichte aus dem östlichen Ruhrgebiet. Freunde und Kumpel, Mofas und Autos – und der CB-Funk. So war es damals! Hier kann ich aus dem Nähkästchen plaudern - es ist verjährt!

<- Bild 1: Eines der frühen Handfunkgeräte war das Zweikanalgerät HF-12 von DNT.

Die Story beginnt damit, dass ein Freund mit einem CB-Handfunkgerät um die Ecke kam und es mir zeigte. Ich war damals etwa 15 oder 16 Jahre alt. Es rauschte stark aus dem Lautsprecher, hatte zwei Kanäle (Frequenzen) und eine lange Teleskopantenne. Einige Zeit zuvor hatte der Gesetzgeber das CB-Funk-Band freigegeben. Nach dem Krieg war es ein Novum: Jeder konnte die frei gegebenen 12 Frequenzen mit einer maximalen Leistung von einem halben Watt nutzen. Besonders beeindruckt war ich zu diesem Zeitpunkt von dem Gerät nicht, jedoch kauften sich einige meiner Freunde im Bekanntenkreis ebenso Handfunkgeräte. Die Gerätchen "fraßen" jede Menge Batterien. Mein erstes CB-Funkgerät war etwas später auch eine "Handfunke", wie wir damals sagten - allerdings eine mit mehr als zwei Kanälen - ich glaube sie war von auch von DNT. Mit diesen Dingern konnte man abends aus dem Bett im Kinderzimmer heraus mit dem Kumpel auf der anderen Straßenseite prima Geschichten austauschen.

Es kam die Zeit, in der meine Freunde und ich auf ein Mofa sparten und eine Ausbildung begannen. Einige Freunde sind - der väterlichen Tradition gemäß – brav zur Zeche gegangen und verdienten bereits als Hauer-Lehrling - heute heißen sie Auszubildende - für damalige Verhältnisse mit ca. 800 D-Mark viel Geld. Meine Ausbildung zum Kaufmann war mit ca. 300 Mark im zweiten Lehrjahr weit weniger gut dotiert. Handfunkgeräte waren in unserer Mofa-Clique auf den jugendlichen Mofa-Touren immer dabei und gehörten zur Ausrüstung wie heute das Smartphone. Die Kumpel, die "im Pütt" (oder: "auf Zeche") lernten, konnten sich bald ein Auto kaufen und über mehrere Jahre abstottern. Beliebt war der erste VW Golf. Der war so rostanfällig, dass ein Käufer noch für sein Traumauto den Kredit abzahlte, obwohl es wegen Rostschäden bereits auf dem Schrottplatz weilte. Gerne rostete die Heckklappe durch.

Bild 2: Ein beliebtes Mobilfunkgerät war das Kurier 3000, das von DNT für QUELLE produziert wurde. Es war beliebt und wurde viel genutzt.


Mit der neuen Mobilität wurde auch im CB-Bereich aufgerüstet: Mobilfunkgeräte zogen in die Autos ein und sog. "Heimstationen" bevölkerten nun die Jugendzimmer oder Dachkammern. Die Jungs mit einer Heimstation waren privilegiert, konnten sie doch mit der Antenne auf dem Hausdach der Bodenwelle einige Kilometer mehr abtrotzen als jemand aus dem Auto. Auch ich besaß nun einen Führerschein und ein Auto: Einen alten Ford 12 M-TS - genannt "Badewanne". Öffnete man bei diesem Fahrzeug, ein Geschenk meines Vaters, die Kofferraumklappe, sah man unversehens direkt auf den Asphalt. Auch die Bodenplatte war nicht mehr so ganz in Ordnung. Ja, Rost war damals ein großes Problem. Mit dem "neuen" Auto wurde mein erstes CB-Funkgerät in das Fahrzeug eingebaut, mitsamt der Antenne, eine DV27-lang, dessen flexibler GFK-Stab etwa 2,5 m lang war und auf dem Autodach befestigt wurde. Das dazu nötige Loch im Dach mittig über der Rückbank nahm man gern in Kauf. Wie es so ist - jeder wollte das schnellste Auto haben und das stärkste Funkgerät.

Einer der Kumpel, auch jemand, der "Hauer" auf dem Pütt lernte, interessierte sich besonders für die Elektronik und die Funktechnik. Nennen wir ihn Walter. Er sollte in den folgenden Jahren über unseren Ort hinaus bei den CB-Funkern eine gewisse lokale Berühmtheit erlangen: Für wenig Geld lötete er neue, stärkere Endstufentransistoren ein, änderte die Vorwiderstände und erhöhte so die Sendeleistung. Das hieß damals "unpostalisch". Wer "postalisch" funkte, also mit der erlaubten Sendeleistung und einem nicht modifizierten Gerät, war nicht angesagt und wurde traurig belächelt. Als die CB-Frequenzen voller wurden, setzte Walter neue Quarzpaare in die Funkkisten ein, um Rückzugsorte für "private" Funkgespräche zu schaffen, freilich auf nicht freigegebenen Frequenzen knapp unter der 27-MHz-Marke. Auch ganze, umschaltbare Quarzsätze machten aus einer 12-Kanal-Funkkiste eine mit 24 Kanälen. Um bei den befürchteten Polizeikontrollen nicht aufzufallen, konnte Walter es so einrichten, dass das Funkgerät nur "unpostalisch" war, wenn der Funker an geeigneter Stelle am Gehäuse einen kleinen Magneten befestige. Entfernte man den Magneten, wurden die im Inneren des Gerätes angebrachten Reedkontakte geöffnet und das Funkgerät stellte sich nach außen hin als unmodifiziert dar.

Als die "Quarzschleudern" durch Funkgeräte mit einer Frequenzaufbereitung per PLL ersetzt wurden, lötete Walter auch gern einmal 20 oder mehr neue Funkkanäle ein, dazu mussten die frequenzbestimmenden Dioden und Brücken neu gesetzt, geschlossen oder entfernt werden. Und so wurde - lange bevor das offiziell zugelassen war - schon auf ca. 40 Kanälen fleißig Funkbetrieb abgewickelt. Auch die Industrie reagierte und man konnte "unpostalische" Mobilfunkgeräte mit 40 und sogar 64 Kanälen – teils sogar mit SSB – im Handel beziehen (aber nicht betreiben), sogenannte Exportgeräte. Der Kauf beim lokalen CB-Funkhändler war legal, der Betrieb nicht. Auch HF-Leistungsverstärker als Transistor- oder Röhren-PA gab es, die wir damals als "Brenner" oder "Nachbrenner" bezeichneten. Ich kann mich gut ein einen Zetagi Leistungsverstärker mit einer Röhre erinnern. Dafür fehlte das Tiefpassfilter im Ausgang der Endstufe, was zu erheblichen Störungen im Rundfunk- und Fernsehbereich führte. Damit machte man sich keine Freunde bei den Nachbarn! Wie auch immer, auf diese Weise kam man mobil oder stationär auch gern einmal auf ca. 50 Watt Sendeleistung.

Aufgefallen!
Zu dieser Zeit besaß ich einen Opel Kadett, mit dem ich gern mit Funkgerät und PA sowie DV-lang auf den nächsten Hügel oder Berg gefahren bin, um zu funken und neue Gebiete zu erreichen. Dazu hatte ich Funkgerät, Stehwellen-Messgerät und PA gemeinsam auf ein Brett montiert. Ich kann mich erinnern, dass wir ab und zu an die Heckstoßstange sogar eine Halbwellen-Vertikalantenne angeschraubt haben und mit 50 W dem Hobby frönten. Wenn man von einem Berg funkte nannten wir das "oberkünftig". „Unterkünftig“ war, wer aus dem Häusermeer ohne Dachantenne funken musste.

Ein anderes Mal habe ich mein KFZ an einen guten Freund verliehen. Leider war die Antenne montiert und das Brett mit der Funke lag auf dem Rücksitz. Der Kumpel ist also im Dunkeln im Sauerland unterwegs, als er einer Polizeistreife auffiel. Die Polizisten meinten, dass die lange Antenne in den Kurven Passanten verletzten könnten. Was sie im Dunkeln nicht sehen konnten: Sie war mit dünnem Nylonband nach vorn abgespannt und konnte niemandem etwas antun. Der Scheinwerfer der Taschenlampe des Polizisten wanderte nach der Führerscheinkontrolle über die Rücksitzbank mit der Folge: Das Funkgerät nebst Zubehör wurde beschlagnahmt! Mein Freund kam ohne Funkgerät, aber mit Antenne von seinem Ausflug zurück und beichtete, was passiert war. Es dauerte nicht lange, als bei mir ein Anhörungsbogen der Polizeistation im Briefkasten lag.

Der Vater eines Freundes ist Polizeibeamter - und es gab niemanden, der sich mit der Polizei besser auskannte. Ihm erzählte ich meine Geschichte und er erklärte sich ausnahmsweise bereit, mich beim Ausfüllen des Anhörungsbogens zu unterstützen. Er drehte die Story so: Das Funkgerät war für einen Italienurlaub vorbereitet und sollte dort von einem Motorboot benutzt werden. Die Notlüge passte, weil das Funkgerät zurzeit der Kontrolle weder an Antenne noch an der Batterie angeschlossen war und somit nicht betriebsbereit. Den Beamten schwante zwar, dass sie einer Lügengeschichte aufsaßen, doch sie waren nicht in der Lage, das Gegenteil zu beweisen. Der Brettaufbau eignete sich nicht wirklich für ein Motorboot. Der Effekt: mein teures Funkgerät, die Transistor-PA und das Zubehör konnte ich ca. acht Wochen später von der Polizeistation persönlich abholen. Dabei machte man mir mit einem Schmunzeln durchaus klar, dass man diese Geschichte für erfunden hielt.

<- Bild 3: So wie ich haben es nur sehr wenige CB-Funker übertrieben: Das war mein erstes Amateurfunkgerät, modifiziert für das 11-m-Band.


Die Große Kiste
Funker kennen sich untereinander und so kannte jemand einen Funkamateur. Bei einer passenden Gelegenheit, ich denke, es war ein Fieldday, sah ich zum ersten Mal einen "Amateurfunker" an einer "großen Kiste" sitzen, mit der man sogar bis in die USA funken konnte. Dass man mit einer CB-Funke auch schon mal bis nach Italien kam, war bekannt - aber bis in die USA? Die Vorstellung, dass meine Stimme aus einem Funkgerät in den USA zu hören sein könnte, faszinierte mich außerordentlich. Heute scheint das nicht sehr spektakulär, doch damals waren Telefonate selbst im Ortsbereich vergleichsweise kostspielig - und Auslandsgespräche sowieso. Es war eine andere Zeit und die Kommunikationsmittel waren rar auf Briefe, Telefon, Telegramm und Fernschreiben begrenzt und einige davon eher Firmen vorbehalten. Außerdem: mit wem hätte ich in den USA Kontakt aufnehmen können? Ich kannte dort niemanden.

Damals arbeitete ich in einem Elektrogeschäft, zu dem auch ein CB-Funkshop gehörte. Dort hätte ich als Mitarbeiter gern Funkgeräte und Elektronik verkauft, doch der Chef schickte mich zu den Toastern, Bügeleisen und Waschmaschinen. Es war die Zeit, in der die CB-Shops wie Pilze aus dem Boden schossen. Der Yaesu FT101E kam gerade heraus und mein Chef bestellte so ein Gerät für mich. Ich wollte auch in die USA funken, denn ich wusste: dort gab es auch CB-Funker. Das Gerät kam an, doch es war klar: Zuhause konnte ich es nicht betreiben. Doch bei meiner Oma im Münsterland - das sollte gehen: Der nächste Nachbar war mehr aus 100 m entfernt und so sollte ich niemanden selbst bei höherer Sendeleistung stören können. Neben dem Wohnhaus gab es einen großen Schuppen, dort durfte ich meine Dipolantenne unter dem Dach an einem Balken entlang aufspannen und auf dem Dachboden das Funkgerät betreiben. So saß ich dort mit Campingstuhl und -tisch umgeben von Heu, Stroh und ausgedientem Werkzeug. Dass dieses Funkequipment für mich nicht erlaubt war, wusste die Verwandschaft nicht. In die USA gefunkt habe ich nicht, doch im Umkreis von etwa 30 Kilometern war ich gut zu hören. Wer den FT101E für CB modifiziert hat, weiß ich nicht mehr. Doch das Gerät brachte mir die Amateurfunkbänder näher, die mir bisher verborgen blieben und so hörte ich - und das bald auch von zuhause aus - gern auf den Amateurfunkbändern den Funkgesprächen zu. Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis ich mich durchringen könnte, die C-Lizenz (2m und 70cm) und später die A-Lizenz (zusätzlich Kurzwelle) zu erreichen, die damals noch Morsekenntnisse verlangte. Den Yaesu FT101E habe ich viele Jahre später auf einem Funkflohmarkt veräußert und mir einen Yaesu FRG7 KW-Empfänger zugelegt. Heute bereue ich den Verkauf, auch der FRG7 ist nicht mehr in meinem Besitz. Man sollte das „alte Zeug“ behalten!


<- Bild 4: Heimstation Kurier 5000. Zu der Zeit sehr beliebt.


QRX mal bitte
Die CB-Funksprache unterschied sich wesentlich von den Abkürzungen des Amateurfunks. Wollte man sich an ein QSO beteiligen, sagte man "X mal bitte" oder kurz: nur X. Damit war wohl QRX gemeint. CQ kannten die CBler auch, es wurde aber kaum genutzt. "Oberkünftig" wurde schon genannt, war der Standort unten in einem Loch (Tal), war man "unterkünftig" unterwegs. Die Sprache wurde in jedem Satz durch viele eingestreute „da“ verschlimmbessert, sicher eine Zeiterscheinung der CB-Funker des Ruhrgebietes. Sie gaben sich Fantasierufzeichen: Golf-Null-Eins, Saturn oder Monsun fallen mir noch ein. Der letztere war ich - über diesen Namen haben sich die anderen totgelacht. Ich weiß heute nicht wieso, ich blieb dabei. Einmal stand ich auf einem Hügel, die CB-Frequenzen waren voll belagt und ich lies einen allgemeinen Anruf los. Es meldete sich eine „Station“ aus einer für CB-Funk unüblichen Entfernung von ca. 30 Kilometer. Bei vollen Frequenzen ein Unding. Ich habe nun das QSO gemacht – einige Tage später erfuhr ich, mit wem ich gefunkt hatte: Mit einem guten Freund um die Ecke, keine zwei Kilometer entfernt. Er hat mich veräppelt, was ihm sehr viel Spaß bereitete, weil ich darauf hereingefallen war. Und damit endet diese kleine CB-Funkstory.

CB-Funk war abgehakt, nun folgte das Funken auf den Amateurfunkfrequenzen. Das hieß damals erst einmal auf den 2-m- und 70-cm-Relais. Es gab dort ständig Funkbetrieb, sodass man sich durch die Funkamateure, die ein Relais nutzten, sich prima unterhalten lassen konnte. Ein Highlight waren die VHF-UHF-Conteste. Im DARC-Ortsverband waren auch aus Belgien stationierte Soldaten und Angestellte der belgischen Armee Mitglieder des Vereins. So zogen wir mit viel Equipment und dem Wohnwagen eines netten, belgischen Funkkollegen auf den nächsten Hügel und haben tolle Funkkontakte hergestellt. Es war eine schöne Zeit. Die belgische Armee ist zum Leidwesen einiger Soldaten / Angestellte einige Jahre später zurück in die Heimat gegangen. Im Ortsverband fehlten dann einige aktive Mitglieder.



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